Sie sind hier

Wegweiser

Die Gewalt im häuslichen Bereich ist ein Thema von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Sie ist keine Privatangelegenheit und keine bloße Familienstreitigkeit. Es geht hier um wichtige Rechtsgüter wie Leben, Gesundheit oder Freiheit; Menschenrechte, für deren Schutz sich die Rechtsordnung einsetzt.

Die Hessische Landesregierung hat sich mit dem Aktionsplan zur Bekämpfung der Gewalt im häuslichen Bereich klar zu ihrer staatlichen Verantwortung bekannt. Am 1. Februar 2006 wurde als eine der im Landesaktionsplan vorgesehenen Maßnahmen die Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt im Hessischen Ministerium der Justiz eingerichtet. Seither arbeitet sie - unterstützt durch ihren Sachverständigenbeirat, die Arbeitsgruppe II des Landespräventionsrates „Gewalt im häuslichen Bereich“ - daran, die verschiedenen in diesem Bereich tätigen Stellen zu vernetzen. Zu den Hauptaufgaben der Landeskoordinierungsstelle gehört es, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern, Fortbildungen für Berufsgruppen, die mit dem Phänomen „Häusliche Gewalt“ befasst sind, zu organisieren und Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel der Aufklärung und Information zu entwickeln.

Zwar hat sich insbesondere mit der Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 die rechtliche Situation der von häuslicher Gewalt Betroffenen deutlich verbessert. Trotzdem lebt eine Vielzahl der Betroffenen auch weiterhin mit dem Täter zusammen - sei es, dass sie sich von Anfang an davor scheuen, den Weg zur Polizei oder zu den Beratungsstellen zu gehen und Hilfe von außen anzunehmen, sei es, dass sie nach erfolgter Intervention und Beratung dennoch zum Täter zurückkehren. Hieran wird deutlich, dass die Angebote an die Betroffenen - so unentbehrlich sie auch sind - allein nicht immer geeignet sind, den Gewaltkreislauf nachhaltig zu durchbrechen. Vielmehr muss auch der Täter in den Blick genommen werden - und dies nicht nur unter dem Blickwinkel der Strafverfolgung, sondern auch im Hinblick auf eine Verhaltensänderung durch individuelle Aufarbeitung durch ihn selbst.

Ich freue mich daher, Ihnen bereits die dritte Auflage des „Wegweisers für die Beratung von Männern mit Gewaltproblemen“ präsentieren zu dürfen, nachdem die ersten beiden Auflagen schnell vergriffen waren. Dies zeigt deutlich, wie groß der Beratungsbedarf tatsächlich ist.
In dem Wegweiser werden Anlaufstellen und Beratungsmöglichkeiten aufgeführt, die in Hessen Täterarbeit anbieten und an die sich Männer mit Gewaltproblemen wenden bzw. an die sie vermittelt werden können. Die auf der „Liste der Projekte“ mit „A“ gekennzeichneten Beratungsstellen bieten eine explizit ausgewiesene Täterarbeit mit eigener Finanzierung, eigenem Konzept und hierfür vorgehaltenem Personal. Die mit „B“ gekennzeichneten Beratungsstellen ermöglichen Täterberatung im Rahmen ihres bestehenden psychologischen Beratungsangebotes. Eine Projektlandkarte ermöglicht es, auf einen Blick zu erkennen, ob und wo es in der Nähe ein Täterberatungsangebot gibt. Daneben beinhaltet der Wegweiser auch hilfreiche fachliche Informationen zur Täterarbeit sowie zur häuslichen Gewalt.
Der Fachgruppe „Wegweiser Männerberatung“, die ein breites Erfahrungsfeld abdeckt, danke ich an dieser Stelle herzlich für die inhaltliche Aktualisierung und die gute und vertrauensvolle Kooperation.

Cornelia Schonhart 
Leiterin der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt