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Frauen

Gewalt, die innerhalb von Beziehungen im häuslichen Umfeld ausgeübt wird, ist die am häufigsten auftretende Form von Gewalt. Sie kommt in allen Bevölkerungsschichten vor. In der Regel sind Männer die Täter und Frauen und Kinder die Opfer. (vgl. BT-Drucks 14/5429, S. 10.) Ebenso von häuslicher Gewalt  betroffen  können die mit im Haushalt lebenden älteren Angehörigen der Familie sein. In seltenen Fällen sind Männer Opfer von häuslicher Gewalt.

Hinsichtlich der Gewalterfahrungen von Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen und Bevölkerungsgruppen wurde bundesweit von Februar bis Oktober 2003 die für Deutschland  erste repräsentative Studie durchgeführt. Die Hauptuntersuchung basiert auf 10.264 Interviews von in Deutschland lebenden Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren. Seit Sommer 2004 liegen hierzu die Ergebnisse vor.

37 % aller befragten Frauen haben körperliche (nicht sexuelle) Gewalt seit dem 16. Lebensjahr erlebt. 13 % haben seit dem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlitten. Unterschiedliche Formen von sexueller Belästigung haben 58 % der Befragten erlebt. 42 % aller befragten Frauen gaben an, Formen von psychischer Gewalt erlebt zu haben. Darunter ist nach der Studie „Eingeschüchtert-Werden“ oder aggressives Anschreien, Verleumdung, Drohungen und Demütigungen und der so genannte Psychoterror zu verstehen. Rund 25 % der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides)  durch aktuelle oder frühere Beziehungspartnerinnen oder -partner erlebt.

Das Erleiden von häuslicher Gewalt führt beim Opfer zur persönlichen Entwertung und psychischen Destabilisierung, was wiederum weitere Gewaltausübung durch den Täter nach sich zieht. Das Opfer wird zunehmend unfähig, sich der Gewalt zu entziehen oder sich dem Täter zu widersetzen. Man unterscheidet die Dynamik häuslicher Partnergewalt in verschiedene Phasen:

» Spannungsphase
» Gewaltausbruch
» Phase der Wiedergutmachung („Honeymoon“)
» Verdrängungsphase
» Phase des Schweigens  und  erneuter Eintritt in die Spannungsphase

Hinzu kommt nicht selten, dass sich das Opfer der häuslichen Gewalt die Verantwortung für diese Gewalterfahrungen selbst zuschreibt. Die räumliche und persönliche Nähe schafft eine beständige Gefährdungssituation und begünstigt fortwährend weitere Übergriffe. Frauen mit diesen Gewalterfahrungen fühlen sich zunehmend hilflos, entfalten kaum noch Eigendynamik, sind erhöht krankheitsanfällig und ziehen sich in sich zurück. Nennenswert ist die hohe, bisher in der wissenschaftlichen Diskussion noch weitgehend unterschätzte Belastung von Frauen durch psychische Gewalt, die in der oben genannten Studie besonders häufig auch im Kontext von Familien- und Paarbeziehungen ausgeübt wird.

Als wichtiger Einzelbefund ist folgendes festzuhalten:

Gewalt gegen Frauen wird überwiegend durch Partner und im häuslichen Bereich verübt.

Für Hessen wurden laut der letzten vorliegenden Polizeilichen Kriminalstatistik des Jahres 2014 insgesamt 7.586 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. Als Opfer häuslicher Gewalt wurden 85,6 % weibliche und 14,4 % männliche Opfer verzeichnet.

 

Downloads:
» Frauenhäuser in Hessen – Landkarte (PDF, 814 KB)
» Doku Schröttle-Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen (PDF, 447 KB)
» Handreichung - Unterstützung gewaltbetroffener Frauen mit psychischen Beeinträchtigungen


Dr. Monika Schröttle, Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld